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Suchtkrankenhelfer erzählt

September 6, 2019

Letzthin lud die Evangelisch-methodistische Kirche die Senioren ein. Mit fröhlichem Singen von alten Liedern begann der Nachmittag. Bald begrüsste Pfarrer Urs Ramseier den Suchtkrankenhelfer und Seelsorger Hansueli Reichenbach in der Runde. Dieser erzählte ansprechend aus seinem vielfältigen Dienst im Blauen Kreuz Saanenland.

Spannend war, ihm zuzuhören. Mit Hintergrundinformationen und Erfahrungen erzählte er von seiner Arbeit im Blauen Kreuz, das es im Saanenland schon seit 1902 gibt. Die Zuhörer spürten sofort, mit welchem Engagement und welcher Herzlichkeit er in dieser wichtigen Aufgabe als Berater steht. Man hörte von Situationen, wo Angehörige durch Alkohol in Beziehungen, Ehen und Familien in unerträgliche Momente hineingeführt werden können. „Oft geschieht es, dass Angehörige dann den Rat der Beratungsstelle suchen, um einen möglichen Weg aus der Not finden zu können“, sagte Reichenbach.

Sehr häufig wird Herr Reichenbach per Telefon zu einem Gespräch gerufen oder Menschen kommen zu ihm, um auch die Probleme, die zu einer Alkoholsucht geführt hatten oder durch die Alkoholsucht verursacht wurden, zu bewegen und einen Weg daraus heraus zu finden. Sehr viel Geduld braucht es in dieser Begleitung. Er selber schöpft seine Kraft für diese anspruchsvolle Aufgabe aus seinem Glauben an Jesus Christus, sagte er. Aber auch Menschen ohne religiösem Hintergrund dürfen bei ihm ein offenes Ohr für Beratung finden, ohne dass ihnen der Glaube aufgedrängt wird. Hingegen wenn ein Hilfesuchender zum Beispiel ein Gebet für sich will, dann wird er sich sehr gerne auch in dieser Art für jemanden einsetzen.

Er erzählte davon, dass manchmal über das Blaue Kreuz gespottet wird. Aber wenn die Not dann plötzlich unerträglich wird, kann die Anlaufstelle oft als Hilfe erfahren werden.

Nebenbei wies er darauf hin, dass auch „das Alter“ nicht vor Sucht gefeit sei. Manchmal können die veränderten Lebensbedingungen, keine geregelte Arbeitszeit mehr zu haben, Altersbeschwerden und anderes, in eine Sucht führen.

Er sprach davon, dass der Menschen natürlich nicht nur zur Alkoholsucht neige, sondern dass gerade das Blaue Kreuz auch auf andere Süchte hinweist, wie Kaufsucht, Arbeitssucht, Kaffeesucht, Internetsucht usw. Reichenbach erklärt: „Es ist heute sogar möglich, dem Blauen Kreuz als Solidarmitglied ohne Abstinenzverpflichtung beizutreten.“ „Solidarmitglieder verpflichten sich zu einem verantwortungsbewussten, massvollen und vorbildlichen Umgang mit Alkohol.“ Und dies findet er ein sehr gutes Angebot.

Mit der Gelegenheit ein paar Fragen zu stellen und einem gemeinsamen Abschluss bei Kaffee mit Brot, Hobelkäse und Kuchen, fand das Treffen dann seinen Anschluss.

 

Urs Ramseier