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Erich von Siebenthal – Nationalrat

January 9, 2020

Zuerst gratulieren wir dir zu deinem sehr guten Wahlresultat, das dich ein erneutes Mal ins Bundeshaus führt, um da mitzuwirken!

Gerne stellen wir ein paar Fragen:

Was bedeutet es für dich Nationalrat zu sein?

Für mich bedeutet dieses Amt, eine Stimme vom Volk in Bern zu sein.

Die Zeit vor den Wahlen ist recht happig. Stimmt dies? Was bedeutet dies konkret?

Ja, das Wahljahr bringt sehr viel Zusätzliches mit sich! Da sind verschiedene Unterstützungskomitees aufzubauen, zum Beispiel das Kern-Wahlteam fürs Saanenland, eines für die Region und eines für den Kanton. Schön ist, dass da auch Leute aus anderen Parteien mich stark unterstützen. Besonders weil unser Kanton Bern so gross ist, braucht es ein grosses Netzwerk von Menschen, die im restlichen Kanton Werbung für mich machen. Bei den Medien sollte man präsent sein. Auch die Finanzen müssen gesichert sein.

Was beinhaltet dies für dich praktisch Nationalrat zu sein? Welche Zeit musst du dafür aufwenden wofür? Gibt es da noch anderes als die Parlamentssitzungen?

Auf der einen Seite muss man in den 4 dreiwöchigen Sessionen im Parlament dabei sein und alle Informationen und Dokumente vor- und nachbearbeiten. Zusätzlich kommen noch Kommissionsarbeiten dazu. Ich bin zum Beispiel in der „Geschäftsprüfungskommission“ und „Sicherheitspolitischen Kommission“. Dies bedeutet weitere je 4 Tage Sitzungen zwischen den Sessionen.

 Wichtig ist es für einen Nationalrat, dass er mit vielen diversen Bereichen in der Gesellschaft verbunden ist. Deshalb bin ich auch in verschiedenen Verbänden innerhalb der Wirtschaft, wie z.B. Präsident der Bernischen Waldbesitzer und des Vereins BEO Holz, im Blauen Kreuz, Präsident Alpwirtschaftlicher Verband Schweiz und diverses mehr…

Diese Mandate bedeuten, dass ich manchmal während der Woche nur einen Tag zu Hause bin.

Wenn mich jemand fragt, wie viel Zeit dieses politische Amt etwa mit sich bringt, dann komme ich auf ein Pensum von rund 80 %.

Kann man nebst Nationalrat auch noch einen Beruf ausüben? Wie ist dies möglich?

Für die Schweiz ist es sehr wichtig, dass wir ein Milizparlament sind und auch weiterhin bleiben.

Dies ermöglicht es, nebst den politischen Aufgaben auch immer wieder einen Bezug zu einem Betrieb, zu einem Unternehmen oder zum praktischen Leben zu haben.

Natürlich kann man nicht mehr sehr viel Zeit im Beruf investieren. Aber dieses Standbein ermöglicht es, dass man Anliegen aus dem Alltag wahrnimmt. So kann man sie dann in der Politik in Bern glaubwürdig einbringen und vertreten. Sonst ist die Gefahr, dass man abhebt und nicht mehr nahe beim Volk ist. Wenn ich zum Beispiel auch am Wassergrat im Tourismus tätig bin, dann spüre ich viel stärker, wo die Probleme des Tourismus liegen. Das hilft dann immer wieder neu ein Gespür zu erhalten, wie es der Wirtschaft und dem Volk geht.

Musst du immer die Parteilinie vertreten oder darfst du auch einmal etwas anderes einbringen, wenn du eine andere Überzeugung hast?

Grundsätzlich ist es so, wenn ich in einer Partei mitmache, dann kann ich die Parteilinie auch beeinflussen! Natürlich gibt es da Grenzen.

Daher gibt es die Situationen, in denen ich von der Partei abweiche. Die Argumente müssen dann aber schon klar sein.

Es kann dann sein, dass ich von gewissen Parteikollegen oder von Menschen ausserhalb nicht verstanden werde. Für mich ist es dann wichtig, dies im Gespräch oder Telefon zu erklären. Das hat schon oft geholfen, dass man meine Entscheidung dann etwas besser einordnen und verstehen konnte.

Aber auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass die Politik nicht Wellness ist, sondern dass man einen breiten Buckel haben muss. Und den habe ich „Gott sei Dank“ erhalten.

Was ist in deiner Aufgabe als Nationalrat das Wichtigste für dich?

Das Wichtigste ist für mich, dass ich mich selber bleiben kann, dass ich mich nicht beeinflussen und kaufen lasse. Mit Gottes Hilfe erlebe ich, dass ich der bleiben darf, der ich bin. Denn ich möchte bei allen auch schwierigen Entscheidungen, die man zu treffen hat, echt sein und bleiben!

Erlebst du Angriffe als so öffentliche Person? Und wenn ja, wie gehst du damit um?

Ja das gibt es immer wieder, per Mail, Post oder in den Medien. In der Regel nehme ich mir dann Zeit für ein Gespräch mit meinem Gegenüber (wie oben schon genannt). Es gibt auch Angriffe unter der Gürtellinie, dort reagiere ich nicht. Und gewisse Äusserungen darf man nicht so persönlich nehmen.

Erlebst du Gott im Amt als Nationalrat? Wenn ja, wo und wie?

Ich würde diese Aufgabe im Nationalrat nicht machen, wenn ich nicht wüsste, dass Jesus vorangeht. Denn alleine kann ich diese Aufgabe nicht tun.

Jesus erlebe ich täglich, in den Geschäften, in den zwischenmenschlichen Beziehungen und den vielen anderen Herausforderungen.

Etwas vom Schönsten ist es, wenn ich ans Limit komme und gefordert bin, dass ich dann erlebe, wie Gott zu seinem Wort steht und mir die Kraft für die Aufgaben schenkt. Noch nie hat er mich im Stich gelassen! Darüber bin ich sehr dankbar. Er weiss alles! Und ich möchte sein Werkzeug sein und bleiben.

Und dann erlebe ich Jesus auch in den vielen Begegnungen, die ich an diversen Treffen mit so vielen Menschen haben darf. Es bereichert mich, wenn ich immer wieder mit anderen Christen unterwegs sein kann. Z.B mit den „Betern im Bundeshaus“, der parlamentarischen Gruppen „Schweiz-Israel“ und „Für verfolgten Christen“. In diesen Begegnungen erlebe ich immer auch wieder Gottes Wirken, Reden und Leiten.

Was hat die EMK Gstaad für dich für eine Bedeutung?

Ja, in dieser Gemeinde bin ich aufgewachsen, habe da den christlichen Glauben lieb bekommen.

Die Gemeinde ist für mich ein Ort zum Auftanken im Glauben, um Freunde zu treffen und von Gott zu lernen. Und zudem ist sie für mich eine Art Familie, wo Christus das Oberhaupt ist und wir darin einander ermutigen dürfen. Deshalb bedeutet mir die Gemeinde sehr viel!

Oft bist du durch dein Amt verhindert in der Gemeinde aktiv mitzuwirken. Was macht dies mit dir? Wie ordnest du dies ein? Wie gehst du damit um?

Ich hatte in dieser Gemeinde verschiedene Aufgaben versehen, zum Beispiel in der Jugendgruppe oder als Präsident des Posaunenchores oder anderes. Diese Gemeinde ist für mich Heimat.

Da muss ich im Sinne von biblischen Buch Prediger sagen: „Alles hat seine Zeit.“

Jetzt gerade ist für mich eine andere Zeit – in diesem politischen Amt.

Durch die Politik und meine Arbeit am Berg am Wasserngrat bin ich sehr oft verhindert am Gottesdienst teilzunehmen. Aber wenn ich dann teilnehmen kann, dann erfüllt es mich.

 Ich vertraue darauf, dass ich auch ausserhalb der Kirchenmauern Salz sein darf, besonders in meinen vielen Begegnungen. Das Gebet ist für mich sehr wichtig, für meine Aufgaben und für die Menschen, mit denen ich unterwegs bin.

Ein besonderes Erlebnis war es dieses Jahr nach den Wahlen, dass Menschen zeigen, wie sehr sie dankbar sind, dass ich in meiner Art meinen Dienst für die Menschen in der Politik tue.

 Ja, wir Christen haben ganz verschiedene Aufgaben an ganz verschiedenen Orten, die wir in Jesu Namen tun sollen und dürfen.

Was können wir als Gemeindeglieder für dich in deinem Amt oder als Person tun?

Für mich muss man nichts Besonderes tun, nicht mehr als für irgendjemanden in der Gemeinde.

Sehr dankbar bin ich, wenn wir für einander beten können!

Es stellt mich auf, wenn ich ermutigt werde, wenn ich Freundschaft erleben darf. Das gibt mir Kraft!

In all diesen Kontakten erlebe ich auch Christen, durch die ich merke, dass ich durch sie gestärkt werde.

Diesen grossen Vater im Himmel darf ich in meiner Gemeinde aber auch in Bern oder irgendwo in einem Gespräch unter vier Augen erleben. In diesen vielen, vielen Begegnungen erfahre ich auch die Verbindung mit vielen Christen in einem Art christlichem Netzwerk, was bereichert.

Wir danken dir für das Gespräch mit dir und wünschen dir weiter von Herzen Gottes Führung und Segen!

Das Interview führte Urs Ramseier